Ausschreibung: Nachhaltige Beschaffung an deutschen Hochschulen

TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland) bittet um Interessenbekundungen von qualifizierten Berater*innen/Forscher*innen, um eine Bestandsaufnahme zu Umsetzung und Umfang von fairer nachhaltiger Beschaffung an 10 Fairtrade-Universities und 10 weiteren Hochschulen im Bundesgebiet durchzuführen.

Fairtrade ist ein alternativer Ansatz zum konventionellen Handel und basiert auf einer Partnerschaft zwischen Produzent*innen und Konsument*innen. Um seine Ziele zu erreichen und einen Wandel herbeizuführen, verfügt der Faire Handel in so genannten Konsumentenländern über verschiedene Arten von Interventionen, darunter eine Reihe von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen wie Kampagnen. In Deutschland werden derzeit drei (Fairtrade-Universities, Fairtrade-Schools, Fairtrade-Towns) solche Kampagnen umgesetzt, von denen die Fairtrade-Universities sich explizit an Hochschulen richtet. Derzeit nehmen 31 deutsche Universitäten und Hochschulen daran teil. Im Rahmen der Kampagne Fairtrade-Universities unternehmen die Hochschule bereits erste wichtige Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Beschaffung, insbesondere bei der Erfüllung folgender Kriterien:

Eine systematische Auswertung der Beschaffungsprozesse von Hochschulen liegt jedoch bislang nicht vor. Dabei ist faire Beschaffung auch für Universitäten als öffentliche Institutionen überaus wichtig: Gründe dafür sind unter anderem die SDG-Debatte (insbesondere SDG 12 und 8), der Debatte um menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in Lieferketten/Lieferkettengesetz, den zahlreichen Skandalen/Menschenrechtsverletzungen in Produktbereichen wie z.B. Nahrungsmittel und Textilien, sowie immer hörbarer zu vernehmenden Aufforderungen an die öffentliche Hand, ihre eigene Beschaffungstätigkeit fairer & nachhaltiger zu machen.

Zweck und Umfang der ausgeschriebenen Studie

Zweck der ausgeschriebenen Studie ist es, eine Bestandsaufnahme zu fairer und nachhaltiger Beschaffung von Lebensmitteln und Textilien am Beispiel von 20 Hochschulen im Bundesgebiet durchzuführen sowie Handlungsempfehlungen für weitere Arbeit an Hochschulen im Bereich der Beschaffung aufzuzeigen.

Leitfragen

  • Wie werden Lebensmittel und Textilien in der Zentralverwaltung und an zentralen Einrichtungen der Hochschule beschafft?
  • Wie werden Lebensmittel und Textilien an den verschiedenen Instituten beschafft?
  • Wie werden Lebensmittel und Textilien für Verpflegung/Ausstattung während Sitzungen der verschiedenen Gremien und offizieller Veranstaltungen an der Hochschule beschafft?
  • Gibt es eine definierte Zuständigkeit für Beschaffung im Lebensmittel-/Textilbereich; wird zentral oder dezentral beschafft, und warum? Gibt es Fortbildungen für die Beschaffer*innen und wenn ja, wie sehen diese aus?
  • Gibt es einen Beschluss zu Nachhaltigkeitsaspekten in der eigenen Beschaffung bezüglich Lebensmittel/Textilien oder vergleichbare bindende Verpflichtungen und Richtlinien, etwa im Rahmen eines Hochschulentwicklungsplanes? Wenn ja, seit wann?
  • Wie viel Prozent der eingekauften Lebensmittel/Textilien werden bereits nach öko-sozialen Kriterien beschafft und gibt es Bestrebungen, diese Prozentzahl zu erhöhen? Wie werden die Daten erhoben?
  • Sofern es Beschlüsse oder verbindliche Richtlinien gibt: Nach welchen Vorgaben sind diese gestaltet (z.B. Anlehnung an die ILO-Kernarbeitsnormen)? Sofern sich die Hochschule auf entsprechende Landesgesetze bezieht, wie sind die jeweiligen Landesgesetze diesbezüglich gestaltet?
  • Welches Budget steht für die Beschaffung von Lebensmitteln/Textilien zur Verfügung?
  • Welches Produkt halten die Hochschulen/die Beschaffungsverantwortlichen für ein gutes Einstiegsprodukt in die faire und nachhaltige Beschaffung bzw. welches war das erste Produkt, welches sie nach öko-fairen Kriterien ausgeschrieben haben?
  • Welche Hürden bestehen an Hochschulen, öko-soziale Kriterien in den Einkauf von Lebensmitteln/Textilien verpflichtend festzuschreiben?
  • Werden Nutzer*innen (Teilnehmer*innen an Sitzungen und Hochschulveranstaltungen, Studierende in Laboren) auf bereits öko-fair beschafften Lebensmittel / Textilien hingewiesen? Werden zur Kommunikation weitere Kanäle der Hochschulen (interne Newsletter, Publikationen etc.) genutzt?
  • Wie wird die Studierendenverpflegung organisiert und wie ist hierbei die Zusammenarbeit mit ggf. Dritten?

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Auf der Grundlage der Ergebnisse müssen Schlussfolgerungen zu folgenden Fragen erarbeitet werden:

  • Wie ist der Status Quo zu fairer und nachhaltiger Beschaffung an den untersuchten Hochschulen in den Bereichen Lebensmittel und Textilien?
  • Welche Instrumente sind wirksam, damit öko-soziale Kriterien im Einkauf von Lebensmitteln/Textilien berücksichtigt werden (Beschlüsse, freiwillige Verpflichtungen, Auszeichnungen etc.)?
  • Was brauchen Hochschulen, um öko-soziale Kriterien im Einkauf von Lebensmitteln/Textilien einzubauen (Beratung, mehr/andere Angebote auf Seite der Anbieter etc.)?

Projektzeitraum

Vorbereitungsphase

Das Forschungsprojekt würde eine Vorbereitungsphase umfassen, einschließlich der Überprüfung der relevanten Dokumentation (Literaturüberprüfung), die in einem kurzen Eröffnungsbericht
mündet (auf welcher Grundlage und wie wird der Fragestellung nachgegangen; Literaturliste, Dokumentation Unterlagen, weitere Vorgehensweise; max. fünf Seiten).

Berichterstattung

Berichterstattung und die Entwicklung anderer Outputs (z.B. Präsentationen): Entwicklung, Vorlage eines Berichtsentwurfs mit mindestens 4 Wochen pro Überprüfungsrunde für den Auftraggeber, um Feedback für den endgültigen Berichtsentwurf zu geben. Es wird erwartet, dass der Schlussbericht eine vollständig bearbeitete Version für internen und externen Gebrauch des Fairtrade-Systems enthält.

Präsentation

Präsentationen der Ergebnisse bei TransFair e.V. im Frühjahr 2021.

Abschlussbericht

Ein redigierter und gestalteter Abschlussbericht von maximal 50 Seiten einschließlich einer Zusammenfassung von maximal 4 Seiten, einer Beschreibung der Methodik, der Ergebnisse und Empfehlungen (ohne Anhänge) wird FI bis Ende Q2 2021 vorgelegt.

Anforderungen an das Forschungsteam

Das Projekt wird an eine Institution vergeben, die die folgenden Kriterien am besten erfüllt:

  • Nachweisliche Erfahrung mit Forschung zu öffentlicher Beschaffung und deren Nachhaltigkeitsaspekten; nachzuweisen z.B. durch entsprechende Publikationen oder Vergleichbares.
  • Verständnis der Fairtrade-Prinzipien, Schlüsselinstrumente und Ansätze
  • Fließende Deutsch Kenntnisse in Wort und Schrift. Englischkenntnisse sind ein Vorteil.
  • Nachweisbare Policy zur Forschungsethik und zur EU GDPR (Allgemeine Datenschutzverordnung)

Budget

Das verfügbare Budget beläuft sich auf etwa 15.000€, einschließlich der gesetzlichen Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer).

Bewerbungsverfahren

  • Konzeptnotiz, die den Umfang von maximal 5 Seiten nicht überschreitet.
  • Detailliertes Budget in Euro, einschließlich der gesetzlichen Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer).
  • Lebenslauf und Publikationsliste
  • Belege für vergleichbare Aufträge durch die Vorlage von mindestens 1 aktuellen Bericht des/der (federführenden) Berater*in/Forscher*in als Hauptautor*in.

Interessent*Innen werden ermutigt, ihre Bewerbung inkl. den aufgeführten Begleitdokumenten bis zum 10.10.2020 an folgenden Kontakt zu versenden:

Kristina Klecko: Referentin Fairtrade-Universities
E-Mail: k.klecko(at)fairtrade-deutschland.de

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