Fairer Handel in der Wissenschaft

Der faire Handel ist in der Wissenschaft zu Hause - und die Wissenschaft im fairen Handel. Bild: Jakub Kaliszewski

Kaum ein Fachbereich oder ein Studiengang ist ohne Bezug zu den verschiedenen Aspekten des fairen Handels komplett. Entdecken Sie den fairen Handel in Ihrem Bereich mit unseren Anregungen.

Freie Hochschulen und gesellschaftliche Verantwortung

Die Freiheit der Wissenschaft in Deutschland ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland geschützt. Gleichzeitig sehen sich Hochschulen in der Verantwortung, gesellschaftliche Entwicklung im Dialog mit der Öffentlichkeit zu fördern und zu gestalten. Die Kampagne Fairtrade-Universities schätzt die Autonomie der Hochschulen und unterstützt diese gleichzeitig dabei, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen zu können.

Wissenschaftliches Fachwissen, Persönlichkeitsbildung, Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt und gesellschaftliches Engagement sind die wichtigsten Kompetenzen, die Studierende an den Hochschulen erwerben* – Kompetenzen, die durch die Mitarbeit in der Kampagne Fairtrade-Universities praktisch erprobt und erweitert werden können. Zudem ist fairer Handel ein spannender Forschungsgegenstand, der sich aus nahezu allen Fächern heraus erforschen lässt.

„Die Hochschulen entwickeln und definieren ihre zentrale Rolle in Deutschland im steten Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften. In Ausfüllung dieser Rolle erbringen sie Leistungen, die für die wissenschaftliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung Deutschlands von entscheidender Bedeutung sind.“  Eckpunktepapier der Hochschulrektorenkonferenz: Die Hochschulen als zentrale Akteure in Wissenschaft und Gesellschaft (Stand 2018).

Grundlagenforschung und Transdiziplinarität

Die Nachhaltigkeitsforschung hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Fragen aufgeworfen und erste Strukturen zu ihrer Beantwortung, insbesondere im Bereich der Ökologie, aufgebaut. Für den fairen Handel haben sich vor allem im englischsprachigen Raum Expert*innen etabliert und wichtige Grundlagenliteratur wurde vorgelegt. Doch immer mehr Wissenschaftler*innen halten Transdisziplinarität (interdisziplinäre Forschung unter Einbindung nichtwissenschaftlicher Praxisakteur*innen) für den sinnvollsten Ansatz für den Nachhaltigkeitsdiskurs an Hochschulen.

Fairer Handel als Forschungsthema

Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

  • Historisch-strukturelle Einordnung der Fairhandelsbewegung im deutschsprachigen Raum
  • Demokratie, Partizipation, Maßnahmen gegen Diskriminierung etc. im fairen Handel
  • Rolle und Reichweite verschiedener Akteur*innen (Politik, NGOs und Verbände, Verbraucher*innen u.a.) und Aktionsformen in der Gestaltung des globalen/fairen Handels
  • Dynamik und Entstehungsprozesse sozialökologischer Standards und Zertifizierungen durch fairen Handel als soziale Bewegung
  • Menschenrechtliche Unternehmensverantwortung / Human Rights Due Diligence und Menschenrechte in fairen Lieferketten im Vergleich zu konventionellen Modellen
  • Gesellschaftliche Kosten durch Externalisierung von Sozialkosten im globalen Süden / in Lieferketten mit Ursprung im globalen Süden
  • Betrachtung der Fairhandelsbewegung in asymmetrischen Macht- und Handelsbeziehungen

Umweltwissenschaften

  • Erhalt kleinbäuerlicher Produktionsweise als nachhaltigste Form der Landwirtschaft durch fairen Handel
  • CO2-Fussabdruck fair gehandelter Produkte im Vergleich zu konventionellen Produkten
  • Auswirkungen des Klimawandels und Endlichkeit von Ressourcen auf Produzent*innen, Produktionsräume und Handelsbeziehungen
  • ökologische Kriterien in Fairtrade-Standards im Vergleich zu anderen Zertifikaten/Siegeln
  • Gesellschaftliche Kosten durch Externalisierung von Umweltkosten im globalen Süden/in Lieferketten mit Ursprung im globalen Süden
  • fairer Handel als Baustein von Nachhaltigkeitsstrategien
  • Anreize, Regularien und Potenziale für Hersteller, Handel und Konsument*innen für faire und klimafreundliche Produktion

Wirtschaftswissenschaften

  • Produktionsbedingungen, Kosten für nachhaltige Produktion, living wages, living income, Mindestpreise, Handelsgerechtigkeit im fairen Handel
  • Methoden zur Erhebung existenzsichernder Löhne/Einkommen
  • Steuersysteme für nachhaltige Produkte (faire Kaffeesteuer, nachhaltige Mehrwertsteuer und andere Modelle)
  • „Fair“ als Marketingstrategie innerhalb von Nachhaltigkeitsdebatten oder als Wegbereiter einer nachhaltigen Transition
  • Wirkungsweisen und Effektivität verschiedener Ansätze (fair vs. konventionell) in der Kapitalismuskritik
  • Digitalisierung und fairer Handel (Tracking-Modelle, Produktionserfassung und -Überwachung)
  • Schaffung neuer Arbeitsplätze durch effiziente Organisationsstruktur in Fairtrade-zertifizierten Produktionsstätten

Fachtagung: "Mehr als nur ein fairer Preis“

Im Oktober 2018 haben das Global South Studies Center (GSSC) der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und TransFair e.V. eine Fachtagung zum Forschungsstand des fairen Handels im deutschsprachigen Raum veranstaltet.

Der faire Handel ist seit Jahren fester Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung und befindet sich auf einem kontinuierlichen Wachstumskurs. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten des fairen Handels im deutschsprachigen Raum bleibt jedoch bislang aus.
Die Fachtagung sollte einen kritischen Blick auf den aktuellen Forschungsstand des fairen Handels im deutschsprachigen Raum werfen und zu einer langfristigen wissenschaftlichen

Auseinandersetzung anregen. Eingeladen waren WissenschaftlerInnen aller Disziplinen, die sich in ihrer Forschung bereits mit einschlägigen Themengebieten wie CSR, New Economic Thinking, Ethical Consumption, Postwachstum, Klimawandel, solidarischen Wirtschaftsformen sowie Nachhaltigkeit beschäftigt haben und ihre Forschung zum fairen Handeln ausbauen möchten.

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